Lehrberufe für Macher & Anpacker
Fassbinder/in
Dauer
3 JahreMindestlohn nach Abschluss
€ 2.110,– bis 2.540,–Lehrlingseinkommen ab (Brutto)
Eine Lehre mit dem richtigen Reifepotenzial!
Was kann man sich unter dieser Lehre vorstellen?
FassbinderInnen stellen Holzgefäße verschiedener Größe her. Dabei ist zwischen der Fassbinderei und der Geschirrbinderei zu unterscheiden. Die Erzeugnisse der Fassbinderei sind Fässer für die Lagerung von Wein, Most, Spirituosen und Bier, während in der Geschirrbinderei Produkte wie Holzkübel, Bottiche, Waschtröge oder Saunageschirr angefertigt werden. In zunehmendem Ausmaß stellen FassbinderInnen auch Souvenirartikel aus Holz (z.B. kleine Fässchen und Bottiche) sowie Bauernmöbel und Gartenmöbel (vor allem Spezialmöbel für Heurigenlokale und Kellerstuben) her. Sie verwenden für ihre Produkte verschiedene Arten von Hartholz (z.B. Eiche, Akazie) und Weichholz (z.B. Fichte, Tanne).
Bei der Herstellung eines Fasses ermitteln FassbinderInnen zunächst anhand einer Werkstückskizze den Rauminhalt und den Holzbedarf des Gefäßes. Dann wählen sie die Holzdauben im Lager bzw. beim Erzeuger aus. Die Fassdauben für den Rumpf des Fasses schneiden und hobeln sie mit Hilfe von Schablonen, die die für die Fasswölbung erforderliche Krümmung anzeigen, zu gewölbten Brettern (Dauben) zurecht. Sodann setzen die FassbinderInnen die Dauben in einen Setzreifen ein, um sie an einem Ende zusammenzuhalten. Zur Erhöhung der Biegsamkeit der Dauben müssen sie im Inneren des Rumpfes ein Feuer entzünden. Danach ziehen sie die freistehenden Enden der Dauben mit einem Seilzug zusammen und setzen Metallreifen darauf. Diese schlagen sie mit einem Setz- oder Schlaghammer nach unten, um die Dauben zu einem Gefäß zu formen.
Zur Herstellung der Fassböden hobeln die FassbinderInnen die benötigten Bodendauben zurecht und bringen daran mit der Bohrmaschine Dübellöcher an. In diese fügen sie Eisen- oder Holzdübel, die zur Verbindung der Bodenbretter dienen, ein. Den Boden schneiden sie mit der Bandsäge rund, dann arbeiten sie diesen in den Rumpf ein und dichten die Verbindungsstellen ab.
Abschließend bohren sie ein Spund- oder Zapfloch, glätten und putzen das Fass und bringen die Eichmerkmale wie z.B. die Angabe des Volumens (Rauminhalt) an.
Welche Fähigkeiten und Talente sollte man mitbringen?
- gute körperliche Verfassung: Transportieren des Holzes, Festschlagen der Fassbereifung
- physische Ausdauer: Festschlagen der Fassbereifung
- Handgeschicklichkeit: maßgenaues Zuschneiden und Aushobeln der Bretter
- Auge-Hand-Koordination: Hobeln, Festschlagen der Fassbereifung
- Unempfindlichkeit der Haut: Abdichten von Gefäßen mit Kunstharz, Lackieren
- räumliche Vorstellungsfähigkeit: Herstellen der Dauben, Anfertigen von Gefäßen
- Kontaktfähigkeit: Betreuen der Kunden
- gestalterische Fähigkeit: Entwerfen von Formen für Souvenirgegenstände und Fässer
- Reaktionsfähigkeit: Unfallgefahr bei Arbeiten mit Holzbearbeitungsmaschinen
Sinn und Zweck dieses Berufs
Als FassbinderIn stellst du Holzfässer und andere Behälter aus Holz her, die vor allem für die Lagerung und Reifung von Getränken wie Wein, Bier oder Spirituosen verwendet werden. Dabei verarbeitest du hochwertige Hölzer und formst daraus präzise zusammengesetzte Fässer, die dicht, stabil und langlebig sind. Dieses traditionelle Handwerk verbindet handwerkliches Geschick mit viel Erfahrung im Umgang mit Holz.
Zu deinen Aufgaben gehört das Zuschneiden, Formen und Zusammenfügen der einzelnen Dauben (Holzleisten), das Anbringen der Metallreifen sowie das Abdichten der Fässer. Besonders wichtig ist dabei die genaue Verarbeitung, denn das Holz beeinflusst oft auch den Geschmack und die Reifung der gelagerten Produkte. Auch Reparaturen und die Pflege bestehender Fässer können Teil der Arbeit sein.
Kurz gesagt: Als FassbinderIn bewahrst du ein traditionsreiches Handwerk und trägst dazu bei, dass Getränke wie Wein oder Whisky ihre besondere Qualität und ihren charakteristischen Geschmack entwickeln können. Dein Können sorgt dafür, dass aus Holz ein funktionales und hochwertiges Produkt entsteht.
Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten nach der Lehre
Weiterbildung
Das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) führt fallweise, jedoch nur in wenigen Bundesländern, Meisterprüfungskurse durch. Es besteht auch die Möglichkeit, an Meisterprüfungskursen für TischlerInnen teilzunehmen. Daneben kommen Kurse für die Bedienung von Holzbearbeitungsmaschinen, aber auch solche für Holzschnitzen oder Bauernmalerei in Frage.
Weiterführende Bildungsmöglichkeiten zur Erreichung höherer Bildungsabschlüsse bzw. zur Höherqualifizierung für AbsolventInnen dieses Lehrberufs sind vor allem folgende Schulen: Werkmeisterschule für Berufstätige für Holztechnik (Dauer: 2 Jahre; Standorte: Spittal an der Drau, Absam, Innsbruck, Wien 21); Meisterschule für Tischler (Dauer: 1 Jahr; Standorte: Pöchlarn, Hallstatt, Imst); Meisterschule für Drechsler (Dauer: 1 Jahr; Standort: Hallstatt); Meisterschule für Tischlerei und Raumgestaltung (Dauer: 2 Jahre; Standort: Graz); Schule für Einrichtungsberater (Dauer: 1 Jahr; Standort: Kuchl); Bauhandwerkerschule für Zimmerer (Dauer: 3 Jahre; Standorte: Villach, Hallein, Graz, Innsbruck, Rankweil, Wien 3).
Aufstiegsmöglichkeiten
Da FassbinderInnen hauptsächlich in Kleinbetrieben arbeiten, gibt es außer einer selbständigen Berufsausübung (bzw. der Übernahme eines bestehenden Betriebes) kaum Aufstiegsmöglichkeiten.
Selbständigkeit
Die Möglichkeit einer selbstständigen Berufsausübung (als GewerbeinhaberIn, PächterIn oder GeschäftsführerIn) besteht für FassbinderInnen im reglementierten Gewerbe „BinderIn“ (verbundenes Handwerk, Befähigungsnachweis erforderlich).
Weiters können FassbinderInnen folgende freie Gewerbe ausüben:
- WagnerIn
- Zusammenbau von Möbelbausätzen
Ein freies Gewerbe erfordert keinen Befähigungsnachweis, sondern lediglich eine Anmeldung bei der Gewerbebehörde.